Nikotinpflaster nur eingeschränkt wirksam  




Mit dem Rauchen aufzuhören, ist nicht leicht. Viele Raucher holen sich deshalb in den ersten Wochen des Entzugs konkrete Unterstützung in Form von Nikotinpflastern. Die Pflaster, die auf der Haut aufgeklebt werden und üblicherweise 24 Stunden lang nach und nach kleine Mengen Nikotin an den Körper abgeben, galten lange Zeit als effektives Mittel gegen Entzugserscheinungen und wurden auch von Ärzten empfohlen. Doch eine neue amerikanische Studie zweifelt den nachhaltigen Nutzen an. Eine Garantie für den Erfolg liefern die Pflaster demnach nicht.

Kurzfristiger Effekt

Wer aufhört mit dem Rauchen, hat zunächst vor allem eines: Schmacht. Der Körper, der an die regelmäßige Zufuhr von Nikotin gewöhnt ist, gerät unter Suchtstress und reagiert mit Entzugserscheinungen, wie Kopfschmerzen, Nervosität, innere Unruhe oder Schlaflosigkeit. Besonders bei sehr starken Rauchern können diese Entzugserscheinungen ein Problem darstellen, weshalb Nikotinpflaster als elegante und effektive Methode galten, den Körper langsam vom Glimmstängel zu entwöhnen. Die Studie der Harvard School of Public Health in Boston kommt aber zu dem Ergebnis, dass dieser Effekt wirklich nur kurzfristig körperliche Erleichterung schafft, für die nachhaltige Entwöhnung aber keine statistische Erfolgsgarantie bietet. Über verschiedene Zeiträume seit 2001 befragten die amerikanischen Forscher über 780 Studienteilnehmer, die allesamt versucht haben, mit dem Rauchen aufzuhören, wie ihnen das gelang, ob sie durchgehalten haben oder einen Rückfall erlitten, ob sie zusätzlich Nichtraucherkurse besucht haben oder sich ärztlich beraten ließen. Rund 20 Prozent der Teilnehmer hatten bei der Entwöhnung auf Pflaster gesetzt. Die Erfolgsquote? Bescheiden. Nach den Ergebnissen der Studie hatten die Pflaster-Nutzer sogar doppelt so hohe Rückfallquoten wie die Raucher, die keine Nikotinersatzpräparate genommen haben.


Zur Entwöhnung gehört mehr

Das die Pflaster Entzugserscheinungen lindern, bleibt unbestritten. Ob diese Linderung reicht, dauerhaft aufzuhören, ist fragwürdig. Zur langfristigen Entwöhnung gehört mehr als nur Pflasterkleben. Grundlagen für das erfolgreiche Aufhören sind nicht nur ein starker Wunsch und Wille, Nichtraucher zu werden, sondern möglichst auch eine psychologische und professionelle Begleitung, z.B. in Form eines Nichtraucherkurses. Nachweislich gute Erfolgsquoten zeigen dabei kognitiv-verhaltens-therapeutisch orientierte Tabakentwöhnungsprogramme. Die AOK Hessen unterstützt die Teilnahme interessierter Kunden und Kundinnen an diesen Kursen. Weitere Information und Adressen über Nichtraucherkurse und Therapeuten bekommen Raucher außerdem im Internet bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.anbieter-raucherberatung.de


Autorin: Bettina Levecke














Rund 20 Prozent der Teilnehmer hatten bei der Entwöhnung auf Pflaster gesetzt. Die Erfolgsquote? Bescheiden.